Bedürfnisorientiertes Urheberrecht und Web

Albert Einstein wird der Satz zugeschrieben, dass Probleme nicht auf der Ebene gelöst werden können, auf der sie erzeugt wurden. Mir drängt sich angesichts der aktuellen Debatte um das Urheberrecht der Verdacht auf, dass sich die Diskussion wahlweise im Kreis dreht und sich immer mal wieder polarisiert. Die einen sagen, die Welt hat sich geändert, also muss auch das Urheberrecht sich ändern. Die andern behaupten mit dem „geistigen Eigentum“ würden die Grundlagen unserer Gesellschaftsordnung angegriffen. Beides ist der Sache, um die es geht, nicht angemessen und nicht hilfreich.

Aus dem problemlosen up- und downloaden von Texten und Musik im Web zu schliessen, es müsse das Urheberrecht geändert werden, klingt zunächst richtig. Es hinterlässt aber dann doch ein etwas  ungutes Gefühl. Das liegt schlicht daran, dass diese Argumentation schon seit über 200 Jahren als schlichter Fehlschluss bekannt ist. Wer will kann das bei David Hume (1711-1776)  nachlesen. Von einem „Sein“ auf ein „Sollen“ zu schließen geht gar nicht!

Die anderen sprechen gerne von „geistigem Eigentum“ und suggerieren damit, es ginge um etwas Tatsächliches.  Dabei reden wir ja über ein rechtliches Konstrukt. Fritz B. Simon hat das in seinem aktuellen Blogbeitrag sehr klar herausgearbeitet:

„Anlass genug, ein Blick auf das Konstrukt “Eigentum” zu werfen. Denn es ist ja kein physisch wahrnehmbares Merkmal eines Gegenstands, sondern ein sozial vereinbartes, mit Helfe das Rechtssystems etabliertes und durchgesetztes Konstrukt. In den “guten alten Zeiten” des wilden Westen gehörte alles dem jeweils Stärkeren, d.h. wer die Knarre hatte, war der Besitzer (und die feinen Unterschiede zwischen Eigentum und Besitz spielten keine Rolle)…

Das Konstrukt “Eigentum” orientiert sich an der Beobachtung körperlicher Eigenschaften und ist in Analogie zu ihnen gebaut (im Englischen wird dementsprechend beides mit demselben Wort bezeichnet: “property”). Man nennt nicht nur blaue Augen und blonde Haare sein eigen, sondern auch ein Auto, ein Haus, einen Partner (?).

Beim geistigen Eigentum scheint zunächst alles klar: Gedanken, die man denkt, gehören eh erst mal nur einem selbst. Vor allem, wenn man sie nicht in die Kommunikation bringt, oder besser: eigentlich nur, wenn man sie nicht äußert. Denn in dem Moment, wo man sie ausspricht oder anderweitig publiziert, sind sie frei verfügbar. Wer sie hört, versteht, sie nachdenkt oder -fühlt, der kann sie nutzen und weiterverarbeiten, ohne dass irgendwer das verhindern könnte.

Aber passt die Metapher des Eigentums, d.h. die Übertragung von Ideen, die in Bezug auf Dinge (die Kinder, Frauen, Männer etc. lassen wir mal weg) entwickelt wurden, wenn wir von Ideen, geistigen Modellen, Konzepten, Argumenten etc. sprechen?

Ich meine: nein.“

Wie kann es jetzt weitergehen?

Auf welcher Ebene lässt sich ein Ansatzpunkt finden, um  eine kreative und offenen Diskussion über das Urheberrecht führen zu können?

Aus meiner Sicht sollten wir auf unsere Bedürfnisse schauen. Auf das was uns alle als Menschen antreibt. Das was auch den schöpferischen Menschen antreibt. Erst im nächsten Schritt können wir dann versuchen das Ganze rechtlich zu konzeptualisieren. Im nächsten Beitrag wird daher über das zu sprechen sein, was wir alle gemeinsam haben: Grundbedürfnisse.

Ich möchte daher in den nächsten Beiträgen für ein Konzept menschlicher Bedürfnisse und den daraus folgenden Schwerpunkten für ein bedürfnisorientiertes Urheberrecht werben.

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