Fotoserie von Aktionskunst unfreie Bearbeitung

Der 20. Senat des  OLG Düsseldorf hat entschieden (Aktenzeichen:  I-20 U 171/10, 30.12.2011), dass die Herstellung einer Fotoserie von einem „Kunsthappening“ eine unfreie Bearbeitung sein kannt und daher genehmigungspflichtig.

Im einzelnen ging es um eine Serie von 18 Fotografien von Manfred Tischer, die eine Kunstaktion von Joseph Beuys – er hatte in einem Holzverschlag Margarine verschmiert und Filzstoff dazu arrangiert – als Fotoserie abbilden. Diese wurden seit dem 2.5.2009 in Schloß Moyland am Niederrhein ausgestellt. Gegen die Präsentation war die Erbin der Rechte vorgegangen. In der Vorinstanz hatte dazu das LG Düsseldorf (Aktenzeichen 12 O 255/09, Urteil vom 29.09.2010) die Bilderpräsentation als genehmigungspflichtig angesehen.  Das OLG ist der Meinung, dass anders etwa als bei Filmaufnahmen, der Fotograf einen größeren eigenen Gestaltungsspielraum wahrnehmen könnte:

„Die streitgegenständliche Fotoserie lässt das Aktionskunstwerk – anders als etwa die Fernsehaufzeichnung einer Konzertaufführung das Musikwerk (vgl. BGH GRUR 2006, 316- Alpensinfonie) – nicht unberührt, sondern greift mit der dargestellten „Verkürzung“ und Akzentuierung in die persönlich geistige Schöpfung tief ein.“

Das Vorliegen eines neuen eigenständigen Kunstwerks im Sinne von § 24 UrhG verneint das OLG mit der Begründung, es sei dem Fotografen lediglich um eine Dokumentation der Kunstaktion gegangen:

„ln der Bilderreihe verblassen die schöpferischen Züge der abgelichteten Aktion, wie oben bereits festgehalten wurde, aber keineswegs. Der Fotograf bezweckte mit den Bildern eine dokumentarische Darstellung der Aktion und hat den Zweck auch erreicht.“

Entscheidung abrufbar unter

http://www.rechtambild.de/2012/01/olg-dusseldorf-museum-schloss-moyland-darf-fotografien-von-beuys-aktion-weiterhin-nicht-ausstellen/

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